Roboterjournalismus auf dem Vormarsch – so funktioniert er

Roboterjournalismus auf dem Vormarsch – so funktioniert er

Roboterjournalismus und automatisierte Content-Erstellung werden immer populärer. Was aber verbirgt sich dahinter? Künstliche Intelligenz (KI) bestimmt bereits unseren Alltag, beispielsweise durch die Auslese von Spam-Mails. Auch Medienunternehmen wenden KI bereits in vielen Bereichen an. Dazu gehören die personalisierte Ansprache von Lesern und Kunden ebenso wie die optimierte Ausspielung von Werbung, smarte Paywalls und Dynamic Pricing. Aber eben auch der immer häufigere Einsatz des sogenannten Roboterjournalismus und die automatisierte Content-Erstellung.

Automatisierte Content-Erstellung kurz erklärt

Automatisierte Content-Erstellung bedeutet, dass Algorithmen Texte produzieren. Angefangen haben Programmierer mit Lückentexten. Das heißt, Algorithmen fügen in die Texte, die vom Aufbau her immer gleich sind, selbstständig Zahlen oder Fakten ein. Das funktionierte von Beginn an sehr gut bei der Erstellung von Wetterberichten und bei Nachrichten aus den Bereichen Sport und Börse. Mittlerweile sind die Algorithmen viel leistungsfähiger und können nicht nur eigene Sätze bilden, sondern auch Zitate und direkte bzw. indirekte Rede in den Text einbauen. Erste Studien belegen, dass Leser nicht mehr zwischen automatisch erzeugten Inhalten und von Journalisten produzierten Nachrichten unterscheiden können.

Wo steht der Roboterjournalismus heute?

Das Thema Roboterjournalismus hat in der Medienbranche bereits einen festen Platz: Rund ein Fünftel der Unternehmen geben an, Roboterjournalismus einzusetzen, zu testen oder den Einsatz für ihr Medium zu planen. Tendenz steigend, wie sich auch an der wachsenden Zahl gewerblicher Anbieter von automatisierter Content-Erstellung ablesen lässt.

Wo ist Roboterjournalismus bereits heute im Einsatz?

Die Werkzeuge KI und Roboterjournalismus ermöglichen Redaktionen und anderen Medienunternehmen schon heute, große Mengen an Beiträgen vor allem für den digitalen Auftritt herzustellen. Beispiele sind Fußballberichte aus den unteren Ligen oder Wetterberichte aus der ganzen Welt, die postleitzahlengenau ausgespielt werden können.

So funktioniert automatisierte Content-Erstellung

Ausgangspunkt für Text-Roboter sind Datenbanken mit gut strukturierten Informationen. Diese Informationen werden dann idealerweise mit historischen Daten analysiert, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen, die berichtenswert sind. Sie werden dann nach vordefinierten linguistischen und statistischen Regeln zu einem Text verarbeitet.

Was kann automatisierte Content-Erstellung idealerweise leisten?

Folgendes Szenario wäre vorstellbar: Zwei Autos kollidieren an einem Montagmorgen. Diese Autos, ausgestattet mit moderner Kollisionserkennungstechnologie sowie GPS, senden Informationen über diesen Zusammenstoß an die zuständigen Behörden. Zur gleichen Zeit werden Daten über den Unfall von einem Nachrichtendienst gesammelt. Dieser schreibt nun mithilfe eines Algorithmus die News und veröffentlicht sie. Jemand, der diesen Nachrichtendienst z.B. via App abonniert hat, wird dank personalisierter Ausspielung automatisch informiert. Er kann so den entstandenen Stau vermeiden, indem er eine andere Route wählt.

Klingt wie Shakespeare?

„Mit Roboterjournalismus erstellte Texte werden sicher keine Pulitzer-Preise gewinnen“, sagte Lars Reckermann, Chefredakteur der „Nordwest-Zeitung“. Doch führte die New York Times kürzlich einen Test durch: Sie veröffentlichte acht Texte und befragte anschließend die Leser, welche vom Computer und welche vom Menschen stammen. Darunter war zum Beispiel ein Gedicht, von dem eine Wissenschaftlerin sagte: „Klingt wie Shakespeare“. Dabei war der Text per Swiftkey Software erstellt, die mit Textbausteinen von Shakespeare arbeitet. Die Algorithmen arbeiten quasi wie ein Mimikry-System.

Automatisierte Content-Erstellung als Mittel gegen Fake News

Diverse Studienergebnisse belegen, dass Leser den Text von einer Maschine glaubwürdiger finden als den Text von einem Menschen. Der automatisch erzeugte Text ist objektiv und ohne Emotionen produziert worden. Es gibt sogar Experten, die der Meinung sind, dass Kollege Roboter gegen „Fake News“ helfen könnte. Dafür ist aber wichtig, dass man den Algorithmus nicht nur mit Daten aus einer einzigen Quelle füttert, sondern auch anhand anderer Quellen überprüft. Dabei helfen die klassischen journalistischen Qualitätsstandards, wie z.B. die Verifizierung einer Geschichte anhand von mindestens zwei Quellen.

Die Zukunft des Roboterjournalismus

Derzeit ändert sich viel in den Redaktionen. Programmierer, Datenanalysten und auch andere Berufe arbeiten immer enger mit Redakteuren zusammen und treiben so die Automatisierung in den Redaktionen immer weiter voran. Angst vor Roboterjournalisten muss man aber nicht haben. Sie können nicht unabhängig denken: ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Journalisten. Die Frage, wie sich der Roboterjournalismus weiterentwickeln wird, bleibt daher offen.